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Wie lebten wir vor GPS oder Global Positioning?


in Technologie

Vor GPS

Frühe Entdecker verließen sich bei der Navigation auf Glück und Bauchgefühl. Die Kunst der Navigation beruhte tagsüber auf dem Stand der Sonne und nachts dem des Mondes. Später navigierte man mithilfe einer Erfindung namens Sextant, die sich den Stand der Sterne zu Hilfe nahm. Der nächste große Schritt in der Geschichte der Navigation war die Positionsbestimmung über Funksignale. Heute nutzen wir Satelliten für die Navigation per GPS – eine Technologie, die laufend weiterentwickelt wird und Ihren genauen Standort auf wenige Zentimeter genau bestimmen kann. Die Positionsbestimmung war auch Thema in verschiedenen Gesprächen, die ich sowohl intern als auch extern mit Kunden darüber geführt habe, was eigentlich die Bedeutung von „On-Premises“ (also lokal bzw. intern) und „Off-Premises“ (extern gehostet) im Kontext Anwendungshosting ist.

Es stellte sich heraus, dass beide Begriffe beides, keins von beiden oder eine Kombination aus beidem bedeuten können, je nach Kontext. Damit GPS funktionieren kann, müssen sich die Satelliten in einer geosynchronen Umlaufbahn befinden, das heißt, dass sie sich synchron zur Erde bewegen. GPS könnte anders nicht funktionieren. Und genau das passiert in meinen Kundengesprächen, wenn sich je nach Bezugspunkt die als „intern“ bezeichnete Basis ändert.

Betrachten wir das Ganze aus der Sicht des Kunden. Mit „intern“ kann das eigene Rechenzentrum gemeint sein, das auch im Besitz des Kunden ist. Doch was, wenn der Kunde einen Partner-Colocation-Service nutzt? Dann kann „interne Bereitstellung“ auch in den Räumlichkeiten des Servicepartners bedeuten, wenn die betreffenden Server dem Kunden gehören. Doch auch die umgekehrte Sichtweise ist nicht ausgeschlossen. Diese Konstellation kann ebenso als extern betrachtet werden, da der eigene Server nicht in den eigenen Räumlichkeiten, sondern in einer Serverfarm neben weiteren Public-Cloud-Servern steht, die ebenfalls „off-premise“ sind. Wie Sie sehen, hängt die Definition voll und ganz vom Standpunkt ab.

Um hier Unklarheiten auszuräumen, habe ich für meine Kundengespräche selbst die Begrifflichkeiten festgelegt. Dementsprechend definiere ich drei Standorte wie folgt:

               „Lokal / Privat“ – ein eigener, vom Kunden verwalteter und im Kundenbesitz befindlicher Standort für die Hardware und die Bereitstellung von Daten.

               „Extern / Privat“ – ein speziell dafür eingerichteter Standort, i. d. R. nicht im Kundenbesitz, wo sich ein kundeneigener physischer Server für die Daten des Kunden befindet.

               „Extern / Shared“ – ein gemeinsam mit Dritten genutzter physischer Standort, der NICHT dem Kunden gehört, und nicht ausschließlich für dessen Zwecke genutzt wird. Bei den zuletzt genannten Modellen werden stets übliche Sicherheitsmechanismen für mehrmandantenfähige Umgebungen genutzt, doch es kommen sämtliche physischen Ressourcen für alle Kunden zum Einsatz.

Damit komme ich zu dem Anwendungsbeispiel, in dem die Workloads definiert werden.

  • Ein CSP kann Hosting sowohl Lokal/Privat als auch Extern/Shared anbieten, wenn ein Teil der Infrastruktur dediziert und ein anderer mehrmandantenfähig ist.
  • Einige der reinen Cloudanbieter haben nur Extern-Shared-Umgebungen im Angebot. Diese zeichnen sich durch keine dedizierte Infrastruktur, Bandbreite oder andere Service-Level-Garantien aus. Statt Garantien werden Schätzungen und Zielsetzungen angeboten.
  • Wieder andere spezialisieren sich auf die Bereitstellung von Lokal-Privat-Diensten.

Welches der genannten Modelle ich bevorzugen würde? Keines – jedes davon hat seine Daseinsberechtigung. Und welche ist nun die beste Lösung? Die Antwort lautet: keine davon, jede davon oder einige davon. Ich bin ein Verfechter von Workload-Definitionskriterien, wenn es darum geht, wo der Workload verarbeitet werden soll. Dazu zählen Workload-Anforderungen, Sicherheit, Geschäftskriterien und viele Service-Level-Definitionen, von denen es zu viele gibt, um sie hier abzudecken.

Mein Rat ist: Kennen Sie Ihren Bezugspunkt, wenn Sie Workloads und Kriterien des physischen Standorts evaluieren oder diskutieren. Wenn sich Ihr Bezugspunkt nie verändert, können Sie feststellen, wo Sie sind, wo Sie waren, und wohin Ihre Workloads gehen.

Chris Gaudlip
CTO

Twitter @chrisgaudlip